Dienstag, 31. Mai 2011

Protest gegen Mieterhöhung geht weiter

dachnerNEUWOGES Die Bewohner des Stufenhochhauses wollen einen „freundlichen Spagat“. Der Vermieter sieht aber keine Chance für einen Kompromiss.

VON REINHARD WEHDEN
NEUBRANDENBURG. Wenige der Mieter aus dem Stufenhochhaus am Juri-Gagarin-Ring kündigten an, es auf einen Rechtsstreit mit ihrem Vermieter ankommen lassen. Gestern saßen zwölf Vertreter der Mieterinitiative noch einmal mit Neuwoges-Geschäftsführer Frank Benischke zusammen, um gegen das „unsoziale Ansinnen“ der Mieterhöhung zu protestieren.

Seit Monatsbeginn will man von ihnen 20 Prozent mehr Kaltmiete haben, was für einige bis 50 Euro mehr bedeutet. Sprecher Heinz Krüger warf zwar nicht seine Wohnungsschlüssel auf den Tisch, doch wie mehrere aus der Mieterinitiative war er am Ende trotz des sachlichen Gesprächs unzufrieden: Denn der Vermieter gibt in der Grundfrage, der Mieterhöhung, nicht nach.
Zehn Jahre lang habe man, bis auf eine Modernisierungsumlage für die erneuerten Fenster, darauf verzichtet. Auf den Kompromissvorschlag, „in einem freundlichen Spagat“, die Miete nur schrittweise anzuheben, könne er sich nicht einlassen, sagte Benischke. Die Wohnungsgesellschaft befinde sich seit 2006 nicht mehr in einer wirtschaftlichen Schieflage. Doch die Kosten für die Neuwoges würden steigen und die Stadt als Gesellschafter wolle ab 2015 eine Gewinnausschüttung sehen, da könne man nicht darauf verzichten, den Rahmen des Mietspiegels auszuschöpfen. Zumal in weiten Teilen nur der Mittelwert zugrunde gelegt wurde und die Neubrandenburger Mieten im Vergleich der kreisfreien Städte zu den niedrigsten zählen, wie Benischke sagte. Er riet ab, in die rechtliche Auseinandersetzung zu geben, denn die Neuwoges habe sich „streng an alle Vorschriften gehalten und das dreimal geprüft“.
Er bot im Einzelfall an, nach individuellen Lösungen zu suchen, wenn es für den Mieter zu großen Problemen kommen sollte, was ihm aber den Vorwurf einbrachte, nach dem Prinzip „Teile und herrsche“ vorzugehen. „Wir wollen nur verhindern, dass jemand wegen der Mietanpassung seine Wohnung aufgeben muss. Aber staatliche Regulierungen können wir nicht ersetzen“, entgegnete Benischke. Er verwies darauf, dass Hamburg und Berlin Wohnungszuschüsse zahlten, M-V jedoch nicht. Das zu ändern, könnte auch für ihn ein Betätigungsfeld werden, sagte SPD-Landtagskandidat Manfred Dachner. Als Ratsherr unterstütze er die Mieterinitiative, denn „wer 20 Jahre nichts für die Mieter tut, muss sich nicht wundern, dass sie gegen Mieterhöhung protestieren“.
Als Erfolg rechnet sich die Initiative an, dass die Neuwoges jetzt am Hochhaus einiges verbessern will: Hauseingänge verschönern, Treppenhäuser in den nächsten zwei Jahren ebenso, Hausmeister reinigen künftig alle 14 Tage die Vordächer. Ob die stinkenden Müllschlucker ganz entfernt werden, soll eine Mieterabstimmung entscheiden.