Freitag, 5. August 2011

Ministerin macht Ex-Polizeichef nervös

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dachnerBESUCH Manuela Schwesig folgt der Einladung von Manfred Dachner. Die Ministerin nimmt Anregungen mit.

VON INGMAR NEHLS
NEUBRANDENBURG. „Ich möchte mit ihr über die menschenunwürdigen Pflegestufen sprechen und hören, was sie gegen den Fachkräftemangel tun will“, kündigte Dietrich Barthel auf der Terrasse des Luisenhauses an. Zunächst aber musste sich der Neubrandenburger gemeinsam mit den anderen Gästen der Diskussionsrunde zum Thema Pflege noch etwas gedulden. Denn Gastgeberin Petra Schulz nutzte die Gelegenheit und führte Gesundheitsministerin Manuela Schwesig (SPD) durch die Räume der Tagespflege der BLW. Manfred Dachner, der für die SPD in den Landtag einziehen will, schaute mehrfach nervös auf die Uhr und hielt die Gäste bei Laune, bis „das sonnigste Gesicht der Sozialdemokraten“ freudestrahlend in den Garten kam.

„Ein beispielhaftes Haus“ lobte die Ministerin und stand für ihre Einführungsrede mit den für sie typischen Endlossätzen gleich wieder auf. Zur Freude von Dietrich Barthel ging die Ministerin auf seine Probleme ein und kündigte an, dass die SPD-geführten Länder ein Papier ausgearbeitet haben, dass unter anderem neue Pflegebegriffe, bessere Bezahlung für Fachkräfte und eine Bürgerpflegeversicherung vorsieht.
Die von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) ins Spiel gebrachte Privatpflegeversicherung sei laut Manuela Schwesig nur etwas für einkommensstarke Bürger. Das Absenken von Sozialabgaben sei angesichts der zu bewältigenden Aufgaben unverantwortlich. 70 000 pflegebedürftige Menschen gibt es derzeit in MV, 2030 sollen es schätzungsweise 100 000 sein.
Für Ergotherapeutin Annemarie Utpadel sei es darum umso unverständlicher, dass ihr Berufszweig in der Tagespflege so stiefmütterlich behandelt werde. „Ergotherapie ist ein ganz wichtiger Bestandteil, finanziell gesehen aber ein Luxus“, sagte Petra Schulz. Um den Fachkräftemangel nicht nur durch Zuwanderung zu bewältigen, müsse es auch erlaubt sein, beispielsweise Ergotherapeuten mit grundpflegerischen Aufgaben zu betreuen.
Manuela Schwesig versprach, diese Anregung mitzunehmen und sich dafür einzusetzen, die Ausbildung für Pflegeberufe zu vereinfachen und zu vereinheitlichen. „Für Leute aus anderen sozialen Berufen muss es möglich sein, mit Schulungen in die Pflege zu wechseln, ohne dabei Qualitätsstandards zu senken“, sagte Schwesig. Sie habe es sich zudem auf die Fahne geschrieben, dass die Pflegeberufe eine höhere Wertschätzung in der Bevölkerung erfahren. Dazu beitragen soll der zweite Tag der Pflege, bei dem Schüler Einblicke in die Berufe bekommen.
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Manfred Dachner holte die Gesundheitsministerin Manuela Schwesig (SPD) zu einer Diskussionsrunde in die Viertorestadt. Beim kleinen aber intensiven Terrassengespräch konnten interessierte Bürger und Fachleute ihre Sorgen und Fragen loswerden. FOTO: NEHLS