Donnerstag, 8. September 2011

Nordkurier | Klare Position bei Debatte über Mindestlöhne

WIRTSCHAFTSPOLITIK EAN Chef Lüdemann und Ministerin Polzin stellen in ihrer Diskussion einige Gemeinsamkeiten fest.


NEUBRANDENBURG (AS). Über hohen Besuch freute sich dieser Tage der Geschäftsführer der Elektroanlagen Nord GmbH, Uwe Lüdemann.Finanzministerin Heike Polzin nahm sich gemeinsam mit Stadtvertreter Manfred Dachner (beide SPD) zwei Stunden Zeit, um die Neubrandenburger Firma kennenzulernen und sich mit Lüdemann über wirtschaftspolitische Themen auszutauschen.

EAN wurde von Lüdemann gemeinsam mit einem Partner im Jahr 1990 gegründet und ging ursprünglich aus dem VEB Geothermie hervor. Damals beschäftigte die Firma 27 Mitarbeiter. Seitdem ist EAN kontinuierlich gewachsen, heute arbeiten hier 130 Mitarbeiter. Darunter sind viele ehemalige Lehrlinge, die nach ihrer Ausbildung übernommen wurden. Die Jahresleistung wuchs von 4,3 Millionen Euro im Jahr 1991 auf 30 Millionen Euro im Jahr 2010. Die Firma war und ist an großen Bauprojekten wie dem Flughafen Berlin- Brandenburg, am Regierungsviertel in Berlin beteiligt oder am Kraftwerk Moorburg beteiligt.

In der Diskussion sprach sich Lüdemann für ein Abstandsgebot aus – ein Facharbeiter sollte mit nicht weniger als 12 Euro die Stunde nach Hause gehen. „Es muss sich lohnen arbeiten zu gehen“, sagte Lüdemann. Er selbst bezahle seine Mitarbeiter nach geltendem Tarif oder darüber. Denn die Facharbeiter seien immerhin jene, die das deutsche Wirtschaftssystem „befeuern“ und es am laufen halten.

Damit rannte er bei Heike Polzin offene Türen ein. Es gebe nur zwei Möglichkeiten, das so genannte Abstandsgebot zu verwirklichen – also zu gewährleisten, dass derjenige, der arbeiten geht, mehr in der Tasche habe, als jene die Transferleistungen beziehen: Entweder Hartz IV runter oder Löhne per Mindestlohn hoch. Sie sprach sich für die zweite Variante aus und prognostizierte, dass die demografische Entwicklung ohnehin dafür sorgen werde, dass die Gehälter steigen. „Wer gute Leute haben will, muss gut bezahlen“, sagte sie.

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Finanzministerin Heike Polzin besuchte gemeinsam mit Manfred Dachner (l.) den EAN-Geschäftsführer Uwe Lüdemann. FOTO: SEGETH