Mittwoch, 1. Februar 2012

Nordkurier | Keine Sicherungsverwahrung für Sextäter

dachnerEin Sexualstraftäter aus Neustrelitz wird nach Abbüßung seiner Haftstrafe auf freien Fuß kommen. Der Opferverein Weißer Ring protestiert gegen die Entscheidung des Bundesgerichtshofes (BGH).


Von unserem Redaktionsmitglied Frank Wilhelm und DPA

NEUSTRELITZ. Manfred Dachner, stellvertretender Landesvorsitzender des Weißen Rings, bleibt bei seiner Meinung: Der rückfällige Sexualstraftäter aus Neustrelitz, der im August 2010 einen neunjährigen Jungen missbraucht hatte, muss auch nach dem Ablauf seiner viereinhalbjährigen Haftstrafe durch die Justiz überwacht werden. „Ich unterstütze nach wie vor den Antrag der Staatsanwaltschaft“, sagte Dachner gestern. Zuvor hatte der BGHdie Revision, mit der die Staatsanwaltschaft eine Sicherungsverwahrung erreichen wollte, als unbegründet verworfen, sagte ein Sprecher des Landgerichts. Der 27-jährige Täter war 2011 zu viereinhalb Jahren Haft wegen schweren Kindesmissbrauchs, Freiheitsberaubung und Körperverletzung verurteilt worden. Die Sicherungsverwahrung hatte das Landgericht aus „formellen Gründen“ abgelehnt.

Der Verurteilte hatte vor Gericht gestanden, einen Jungen im August 2010 in seineWohnung gelockt und missbraucht zu haben. Der Fall hatte für Aufsehen gesorgt, weil der Mann einschlägig vorbestraft war und nach Verbüßung der letzten Haft 2008 in ein Programm des Justizministeriums zur Überwachung von Straftätern aufgenommen wurde. Dabei hatte er die Auflage, sich von Kindern fernzuhalten. 2005/2006 hatte sich der Veruurteilte zweimal an Kindern im damaligen Uecker-Randow-Kreis sexuell vergangen. Dafür wurde er als 21- Jähriger nach Jugendstrafrecht verurteilt. Diese Art der Verurteilung stand einer Sicherungsverwahrung entgegen, urteilte das Landgericht seinerzeit.

Er hoffe, dass die Richter wissen, was sie tun, sagte Dachner in Richtung BGH. Die Ablehnung der Revision könne er nur „zähneknirschend respektieren“.

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