Dienstag, 6. September 2011

Nordkurier | SPD-Kantersieg in Neubrandenburg

dachnerÜBERRASCHUNG Manfred Dachner nimmt Günter Rühs den Wahlkreis 2 mit großem Vorsprung ab. Die SPD jubelt, Rühs gibt sich als fairer Verlierer.


VON INGMAR NEHLS UND ANDREAS SEGETH

NEUBRANDENBURG. Kurz und schlaflos sei die Nacht nach dem Wahlerfolg gewesen, sagte gestern ein glücklicher Manfred Dachner. Nachdenklich habe ihn der erneute Einzug der NPD gestimmt. Als Neubrandenburgs Vertreter im Schweriner Schloss werde er sich mit den rechtsextremen Politikern, die bisher eher durch Pöbeleien auf sich aufmerksam machten, auseinandersetzen müssen.

Der Wahlkampf sei kräftezehrend gewesen. Im Terminkalender des pensionierten Polizeichefs stehen seit dem 1. Mai insgesamt 182 Wahlkampfauftritte. „Ich hatte viele Gespräche und auch ein gutes Gefühl. Jedoch sagte jemand, dass es für mich als politisches Leichtgewicht ein Kampf wie David gegen Goliath werden würde“, sagt Dachner, der im Wahlkampf auch sein gesellschaftliches Engagement ausspielte. „Ich habe nur das sichtbar gemacht, wofür ich mich auch vorher einsetzte“, betont der neue Landtagsabgeordnete.

Sein erster Weg soll zur Sozialministerin führen. Dort will sich Dachner für kostenloses Mittagessen in Kitas stark machen. Trotz der neuen Verpflichtungen in Schwerin will Dachner seine ehrenamtlichen Tätigkeiten in Neubrandenburg nicht zurückfahren. Einen Teil seiner Diäten will er sogar regelmäßig bedürftigen Familien zukommen lassen.

Dass die Viertorestadt nun durch zwei Sozialdemokraten im Schweriner Landtag vertreten wird, freut Sylvia Bretschneider. „Durch das zweite Büro von Manfred Dachner haben wir noch mehr Power in Neubrandenburg“, sagt sie zufrieden. Ihr Ziel sei es natürlich gewesen, den Wahlkreis zu holen und nach Möglichkeit auch den Vorsprung auszubauen. Allerdings sei die Viertorestadt kein Selbstläufer für Sozialdemokraten, betont sie. Das Amt der Landtagspräsidentin, für das sie sich übrigens wieder anbieten will, und ihr Einsatz für Demokratie und gegen Rechtsextremismus habe ihr zwar viel Anerkennung gebracht. „Gewählt wird aber vor Ort. Dort wurde ich für eine kontinuierliche Arbeit bestätigt“, sagt sie. Sie werde für Neubrandenburg das tun, was sie vor der Wahl angekündigt hat. Ob sie auch ihr Kreistagsmandat wahrnehme, sei noch offen. Auch Dachner konnte dies noch nicht sagen. „Das hängt davon ab, ob sich die Schwerpunkte ähneln“, meinte er.

Für Günter Rühs (CDU) hingegen bedeutet der Wahlausgang sein vorläufiges Aus für die Landespolitik. Der SPD-Konkurrent hat ihm mit großem Vorsprung den Wahlkreis 2 abgenommen. Dachner hatte 5206 Stimmen, Rühs 3486. Bretschneider gewann mit 5517 gegen Heinrich Nostheide (3321) in Wahlkreis 3. „Ich bin Demokrat genug um die Wählerentscheidung zu akzeptieren“, so Rühs gestern. Er verhehle aber nicht, dass er gern weitergemacht hätte. Er zolle Dachner und Bretschneider großen Respekt, und wünsche sich, dass diese seine gute Arbeit für Neubrandenburg fortsetzen werden. Traurig stimme ihn die große Zahl an Nichtwählern, die es ermöglicht haben, dass die NPD erneut in den Landtag eingezogen sind.

In der unteren Grafik sehen Sie das vorläufige Endergebnis der Kreistagswahlen.
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Kreistagswahl 2011 Mecklenburgische Seenplatte