Mittwoch, 5. März 2014

Nordkurier | Brodaer Bürger machen weiter mobil gegen Funkmast

Guckt bald die Spitze eines Mobilfunkmastes über die Hügel des Brodaer Landschaftsgartens? Die Bürgerinitiative will sich jedenfalls gegen dieses Szenario wehren. FOTO: KARL-JOSEF HILDENBRAND
Von Andreas Segeth

Nun wird’s ernst: Die Telekom hat einen Bauantrag für einen neuen Funkmast in Broda eingereicht. Die Bürgerinitiative will gegen eine mögliche Baugenehmigung vorgehen. Doch hat die Stadt überhaupt eine Wahl?

NEUBRANDENBURG. Nicht jeder reagiert auf elektrische Felder derart heftig wie Heike W. Sie sei „elektrosensitiv“, schon beim Fahren in Zügen bekomme sie wegen der vielen dort genutzten Handys Herz- Rhythmus-Störungen, berichtete sie am Montagabend bei einer Infoveranstaltung der Bürgerinitiative „Bürger für Neubrandenburg“, die sich gegen die Aufstellung eines neuen Mobilfunkmastes der Telekom in Broda wendet.

Die 55 anderen Teilnehmer der Versammlung konnten zwar nicht über ähnlich extreme Erfahrungen berichten, die meisten Anwesenden allerdings hegen ein gewisses Unwohlsein bei dem Gedanken, dass bald ein leistungsstarker, 45 Meter hoher Sendemast in ihrer unmittelbaren Nähe aufgestellt werden soll. Sie sorgen sich um ihre Gesundheit, aber auch um einen möglichen Werteverlust ihrer Eigen heime in Broda. Es gebe noch keine Langzeitstudien, die eine mögliche Schädigung der Gesundheit durch elektromagnetische Wellen widerlegen. Zudem gehe es um die Unverletzlichkeit der Wohnung: Auf dieses Gesundheitsrisiko habe man keinen Einfluss.

Stadtvertreter verweist auf gesetzliche Grenzwerte
Mit seiner Meinung allein auf weiter Flur stand CDUStadtvertreter Wolfgang Schneider, der sich jahrzehntelang beruflich mit Arbeitsschutzthemen und schädlichen Umwelteinflüssen befasst hatte und nun im Ruhestand weilt. Er verwies auf die umfangreiche Erforschung des Themas und die gesetzlichen Grenzwerte, die eingehalten werden. Es gebe keine einzige Studie, die einen ursächlichen Zusammenhang zwischen elektromagnetischen Feldern und Krankheiten nachweise.

Sein Namensvetter Kilian Schneider (Grüne), ebenfalls Stadtvertreter in Neubrandenburg, hingegen stellte sich auf die Seite der Bürgerinitiative. Man könne nicht munter drauflos forschen und erst die Reißleine ziehen, wenn es zu spät ist. Er spielte auf Beispiele wie Contergan oder Asbest an, die zunächst als ungefährlich galten und später verboten wurden.

Wolfgang Kresse, Sprecher der Bürgerinitiative, kündigte im Gespräch mit dem Nordkurier an, dass man gemeinsam mit einem beauftragten Rechtsanwalt gegen eine mögliche Baugenehmigung der Stadt vorgehen werde. Ein solcher konkreter Antrag der Telekom ist Anfang Februar im Rathaus eingegangen.

Im Stadtentwicklungsausschuss, der ebenfalls am Montagabend tagte, ist man sich allerdings mit der Stadtverwaltung einig, dass eine mögliche Gesundheitsschädigung durch Strahlen gar nicht durch die Stadt zu beurteilen sei, sondern allein durch die Bundesnetzagentur. Insofern habe die Stadt hier keinen Einfluss.
Kresse hingegen verweist auf die Beispiele von Boek in der Seenplatte und Weberin bei Schwerin, wo sich Gemeinden trotzdem gegen die Baupläne von Mobilfunkunternehmen ausgesprochen und diese am Ende von
den Plänen Abstand genommen hätten.

Der Neubrandenburger Landtagsabgeordnete Manfred Dachner (SPD) kündigte unterdessen an, dass sich der Petitionsausschuss des Landes, dem er selbst vorsitzt, in zwei Wochen mit dem Thema befassen werde.

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