Donnerstag, 20. März 2014

Nordkurier | „Ich Dumme, habe ihm noch verziehen“

Von Paulina Jasmer

Schläge und Drohungen - das alles hat eine Frau aus der Nähe von Neubrandenburg am eigenen Leib erfahren. Sie hat sich aber Hilfe gesucht.

Rita Schlämann, Außenstellenleiterin beim Weißen Ring, und Manfred Dachner, stellvertretender Landesvorsitzender, sprechen mit Heidi Martens über ihre Erlebnisse. Die Frau hat von ihrem Lebensgefährten eine Morddrohung erhalten. FOTO: P. JASMER
Rita Schlämann, Außenstellenleiterin beim Weißen Ring, und Manfred Dachner, stellvertretender Landesvorsitzender, sprechen mit Heidi Martens über ihre Erlebnisse. Die Frau hat von ihrem Lebensgefährten eine Morddrohung erhalten. FOTO: P. JASMER
NEUBRANDENBURG. Heidi Martens (Name von der Redaktion geändert) wurde angebrüllt, gepackt und gestoßen. Und letztlich drohte ihr Lebensgefährte, sie beide umzubringen. Die Frau, die in einem Dorf bei Neubrandenburg wohnt, hatte Todesangst und war aus ihrem eigenen Haus geflohen. 

Das war dann auch die Zeit, in der sich die damals Mitvierzigern an den Weißen Ring, eine Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer, gewandt hat. Sie wollte rauskommen aus diesem Teufelskreis. „Ich Dumme, habe ihm zuvor stets verziehen“, sagt sie. Die Morddrohung hat das Fass aber zum Überlaufen gebracht. 

Heidi Martens besuchte eine Informationsveranstaltung des Weißen Rings. Das war im Jahr 2010. Dort outete sie sich. Sie berichtete von ihre Sorgen, Nöten und dem „ganzen Elend“. Und die Mitarbeiter des Weißen Rings standen ihr bei und vermittelten ihr beispielsweise einen Anwalt und auch eine psychologische Betreuung. Insgesamt sieben Frauen haben die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Weißen Rings von der Auße nstelle Neubrandenburg im vergangenen Jahr wegen häuslicher Gewalt betreut, sagt Rita Schlämann, die Leiterin der Außenstelle. Insgesamt 24 Hilfesuchende waren 2013 zur Beratung gekommen, darunter auch Männer, berichtet sie. Sie waren beispielsweise Opfer eines Raubs oder von Schlägereien geworden. 

Im Landkreis, mit weiteren Außenstellen in Neustrelitz, Waren und Demmin, hat der Weiße Ring zwischen 80 und 100 Menschen im Jahr 2013 betreut, fügt der stellvertretende Landesvorsitzende Manfred Dachner hinzu. 

Zwar sei die Zahl der angezeigten Straftaten laut Polizeistatistik in Neubrandenburg um 30 Prozent im im Vergleich zu 2012 zurück gegangen, allerdings würden viel mehr Opfer den Weg zur Beratung finden. Nicht alle Taten, insbesondere Sexualdelikte oder häusliche Gewalt, würden auch angezeigt werden. Die Dunkelziffer sei groß, was auch Rita Schlämmann bestätigt. Am kommenden Sonnabend, 22. März, ist im Übrigen der Tag des Kriminalitätsopfers. Dann veranstaltet der Verein „Hilfe für Opfer von Straftaten in M-V“, an der Tilly-Schanzen-Straße 17, für Betroffene, Interessierte und Kooperationspartner einen Tag der offenen Tür. Dieses Angebot findet allerdings schon am Freitag, 21. März, in der Zeit von 10 bis 16 Uhr statt. 

Kontakt zur Autorin: p.jasmer@nordkurier.de