Dienstag, 8. April 2014

Nordkurier | Nach dem feigen Schweine-Mord: Hier grunzt jetzt Zuchtsau Hanny

Von Fred Lucius 

Der Fall sorgte in der ganzen Region für Gesprächsstoff: Des Nachts kamen über die Grenze ein paar Ganoven, die in Pampow eine Zuchtsau abstachen und diese dann nach Polen schleppten. Doch nun grunzt auf dem Gelände des Hauses Salomo eine neue Zuchtsau. Gesorgt dafür hat der Verein für Kriminalitätsopfer „Weißen Ring“. Schließlich ist das Haus Salomo, eine Einrichtung für Suchtkranke, auch ein Opfer. 

Vorpommern. Der Eber im betreuten Wohnen des Hauses Salomo der AWO in Pampow scheint etwas zu ahnen. Aufgeregt läuft er am Zaun auf und ab und grunzt. Kein Wunder: Gleich wird eine staatliche Zuchtsau auf den Hof gefahren. Diese bringt Knuth Büttner-Janner vom gleichnamigen Schweinezuchtbetrieb in Schapow (Gemeinde Nordwestuckermark). 

Vor dem Stall warten Bewohner der Einrichtung für Suchtkranke, Hausleiterin Angelika Holtz, Manfred Dachner und Angela Straßburg vom Verein für Kriminalitätsopfer Weißer Ring. Dieser hat das 130 Kilo schwere Borstenvieh spendiert. „Ich habe von der Tante meiner Frau, die in Blankensee wohnt, von der getöteten und verschleppten Zuchtsau gehört. Da wollten wir als Verein schnell und unbürokratisch helfen“, erzählt Manfred Dachner, stellvertretender Landesvorsitzender des Weißen Ringes. Agrarminister Till Backhaus habe dann Hilfe bei der Beschaffung zugesagt, der Schweinekontroll- und Beratungsring Mecklenburg- Vorpommern den Betrieb in Schapow vermittelt. 

„So einen Opferfall hatten wir natürlich noch nicht. Aber für die Suchtkrankenhilfe hier in Pampow hat ein solches Tier eine besondere Bedeutung. Es gibt den wirtschaftlichen Faktor. Außerdem gehört die Beschäftigung mit Tieren zur Arbeitstherapie der Bewohner“, meint Dachner und kippt der Zuchtsau anlässlich der Übergabe und zur Taufe alkoholfreien Sekt über den Rücken. Hanny wird das Borstenvieh fortan genannt. Der Eber bekommt natürlich auch einen Namen – Hansi heißt er jetzt. 

„Wir wollen mit der Hilfe den Leuten hier Mut machen und ein Zeichen setzen, dass sie nicht vergessen sind“, sagt Dachner. Hausleiterin Angelika Holtz ist froh über den tierischen Ersatz und ebenso über eine finanzielle Hilfe des Weißen Ringes nach einem Diebstahl im Januar, als Werkzeug in Pampow gestohlen wurde. Auch wenn die Spuren der Schweine-Mörder vom 12. März in Richtung des polnischen Dorfes Stolzenburg (Stolec) deuten Schuldzuweisungen will Angelika Holtz nicht machen. „Das sind doch unsere Nachbarn. Wir wollen das Verhältnis nicht vergiften“, sagt sie. 

Die erste Rausche, die Tage, in denen ein Schwein trächtig werden kann, hat die knapp acht Monate alte Hanny bereits hinter sich. „Zu Ostern könnte es also zur ersten Paarung mit Hansi kommen“, erklärt Landwirt Knuth Büttner-Janner. Die Jungsau ist eine sogenannte F-1 Hybridsau, eine Kreuzung der Rassen Deutsches Landschwein und Deutsches Edelschwein. „Bei uns in Schapow streben wir pro Wurf zwölf Ferkel plus X an. Wenn man hier zehn Ferkel pro Wurf großzieht, wäre das gut“, sagt der Schweinezüchter. Beim letzten Wurf der getöteten Zuchtsau konnten sich die Pampower über neun kleine Ferkel freuen. „Drei davon gehen jetzt in unsere Einrichtung nach Rosenthal bei Strasburg“, gibt Angelika Holtz zu verstehen. 

Vier Schweine lässt die AWO jedes Jahr bei den Gemeinnützigen Werk- und Wohnstätten GmbH in Woldegk schlachten und verarbeiten. Wurst und Fleisch dienen der Versorgung der Bewohner. „Hoffentlich bleibt uns Hanny lange erhalten und bringt viele Ferkel“, hofft Bewohner Guido Schmidt, der sich um die Schweine in Pampow kümmert. Zwar sei die neue Zuchtsau ein wirklich schönes Tier, aber man kann ja nachts nicht im Stall übernachten, sagt er schmunzelnd. 


Ein Artikel aus dem Nordkurier, Haff Zeitung, vom 08. April 2014, Seite 21. Copyright Nordkurier 2014