Dienstag, 7. April 2015

Nordkurier | Schlager-Debatte erreicht auch das Schweriner Schloss

Der Plenarsaal im
Schweriner Schloss
wird Schauplatz
einer weiteren
Debatte um das
Radioprogramm.
FOTO: J. BÜTTNER
Von Jörg Spreemann 
Jetzt wird sich auch der Petitionsausschuss des Landtages mit dem NDR-Musikprogramm beschäftigen. Die Mitglieder der Bürgerinitiative für mehr deutsche Musik können aber nur als Zuschauer kommen. 

NEUBRANDENBURG. Das gibt es nicht allzu oft: Der Petitionsausschuss des Landtages verlegt seine Sitzung in den Plenarsaal des Landtages und tagt zudem öffentlich. „Das geschieht nur bei Themen, die für viele Menschen von Interesse sind“, begründet Manfred Dachner, Chef des Ausschusses. Auf der Tagesordnung steht am 16. April um 13 Uhr nur ein Punkt: Die Beschwerde der Bürgerinitiative (BI) aus Neubrandenburg und Umgebung, die mehr deutschsprachige Musik im Programm von NDR 1 Radio MV fordert.

Der SPD-Abgeordnete Dachner weiß, dass die Titelauswahl beim NDR nicht zum klassischen Zuständigkeitsbereich des Ausschusses gehört, der sich mit Kritik von Bürgern an Ämtern und Behörden auseinander setzt. Deswegen freut er sich, dass Staatskanzlei, Landesrundfunkrat und NDR bereit sind, ihre Argumente den Abgeordneten und Zuschauern vorzutragen. „Das ist für mich ein Signal, dass das Thema ernst genommen wird“, findet er.

Dachner macht aus seiner eigenen Meinung zum jahrelangen Streit um die Musikauswahl im gebührenfinanzierten NDR keinen Hehl. „Es kann doch nicht so schlimm sein, dass sich der Sender ein wenig bewegt. Man kann nicht dauerhaft gegen die Interesse einer großen Altersgruppe Musik spielen“, meint er angesichts zahlreicher Protestaktionen der Bürgerinitiative, die in den vergangenen Wochen und Monaten für reichlich Wirbel und Resonanz gesorgt haben.

Musikfan Dachner ahnt, dass es nicht einfach sein wird, den Musikstreit zu schlichten. „Es wäre aber schön, wenn es einen Kompromiss geben könnte“, hofft er. Allerdings habe die Bürgerinitiative selbst kein Rederecht bei dem Gespräch, weil sich die Ausschussmitglieder knapp dagegen entschieden hätten. „Die Argumente der Hörer sind uns aber gut bekannt“, stellt er fest.

Wenig erbaut von dem „Maulkorb“ ist BI-Chef Willi Behnick: „Dann können wir uns ja gar nicht wehren.“ Dabei beruft er sich auf seine Erfahrungen: In den Antworten auf die Schreiben der Bürgerinitiative an Staatskanzlei und NDR seien die Begründungen für die ablehnenden Reaktionen auffällig ähnlich ausgefallen. „Deswegen erwarte ich nicht viel“, bedauert er.

Die Schweriner NDR-Funkhauschefin Elke Haferburg wird die Musikauswahl ihres Senders bei der öffentlichen Anhörung verteidigen. „Ich erkläre gern, warum wir unser Programm so machen, wie wir es machen“, stellt sie klar. Der Sender wolle so viele Hörer wie möglich erreichen. Aus der Meinungsforschung sei aber bekannt, dass bei Schlagern oft abgeschaltet werde. „Deshalb spielen wir eine Musikmischung, die am wenigsten weh tut“, erläutert sie.

Die Bürgerinitiative, die jetzt unter dem Kürzel Demurad-MV (Deutsche Musik im Radio MV) auftritt, hat laut ihrem Vorsitzenden in den vergangenen Wochen verstärkt Mitstreiter in Vorpommern und entlang der Ostseeküste gefunden. Und sich neue Adressaten für ihre Forderungen gesucht – die Ministerpräsidenten der NDR-Länder Mecklenburg- Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig- Holstein sowie Hamburgs Erster Bürgermeister.

„Uns geht es vor allem um einen zusätzlichen Satz in den Staatsverträgen“, sagt Behnick. So solle gesetzlich festgeschrieben werden, dass das Musikprogramm „überwiegend auf die deutsche Sprache beziehungsweise norddeutsche Mundart“ ausgerichtet werden muss. Einen Dämpfer musste die BI aber bereits einstecken. Bei einem Gespräch zwischen Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) und BI-Mitgliedern in Röbel habe sich der Regierungschef wenig angetan von der Idee gezeigt, so Behnick.

Kontakt zum Autor j.spreemann@nordkurier.de