Freitag, 17. April 2015

Nordkurier | Streit um Schlager landet im Landtag

SCHWERIN. · 17.04.2015 

Helene Fischer und Andrea Berg füllen Konzerthallen. Bei der NDR-Landeswelle in Mecklenburg-Vorpommern finden sie nicht statt. Das soll auch so bleiben, sagt die Funkhauschefin. Doch eine Bürgerinitiative gibt nicht auf. 

Im deutschen Schlager geht’s schon gerne mal pathetisch zu – und so lässt sich der bekennende Fan und Vorsitzende des Landtags-Petitionsausschusses Manfred Dachner (SPD) auch nicht lumpen: „Bei NDR 1 Radio MV wird viel zu wenig deutsche Musik gespielt. Bedauerlicherweise endet das nun in der Katastrophe, dass wir künftig keinen Schlager mehr hören.“

Dachners Fazit am Ende der Ausschusssitzung am Donnerstag ist eine gut einstündige Beratung vorausgegangen, zu der MV-Funkhaus-Chefin Elke Haferburg und zwei Vertreterinnen der Staatskanzlei sowie des Rundfunkrates eingeladen waren. In den Zuschauerreihen finden sich denn auch aus Neubrandenburg und Röbel angereiste Mitglieder der Bürgerinitiative, die für mehr deutsche Musik und Schlager im Radio kämpft und es nun mit ihrem Anliegen bis in den Petitionsausschuss geschafft hat. Haferburg macht dort aber erneut deutlich, dass es auch künftig keine deutschen Schlager ins Programm schaffen werden.

"Denken über Demo vor dem Funkhaus nach" 

 „Man hat gespürt, dass es einzelne Personen gab, die vorher schon wussten, was sie hinterher denken. Die Schlussrede war ja schon aufgeschrieben, bevor die Sitzung überhaupt begann“, beschreibt die Funkhaus-Direktorin ihren Eindruck von der Beratung. BI-Chef Willi Behnick hält dagegen: „Unsere Erwartung ist eingetroffen, dass es von Seiten des NDR, der Staatskanzlei und des Rundfunkrates keinerlei Zugeständnisse gibt.“ Dennoch wolle man weitermachen, die Bürgerinitiative in ganz MV verankern und Unterschriften sammeln. „Je nach Resonanz denken wir dann über eine Demo vor der Staatskanzlei oder dem Funkhaus nach.“

Während Ausschussvorsitzender Dachner zu Beginn klarstellt, dass das Gremium aufgrund der Staatsferne und Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Senders keinen Einfluss auf die Programmgestaltung nehmen kann und wird, erläutert dann Haferburg ihr Nein.

Bissiges Gelächter, bittere Kommentare 

Die Musikauswahl basiere auf wissenschaftlich fundierter Markt- und Medienforschung. Ziel sei es, so viele Hörer wie möglich zufriedenzustellen. Deutscher Schlager polarisiere aber. Jüngere Hörer würden dann möglicherweise abschalten. „Wir spielen, was am wenigsten weh tut. Hip-Hop und Heavy Metal ist auch nicht im Programm, obwohl sich das viele wünschen. Und nicht alle Menschen über 60 Jahre wollen Schlager. Viele sind über diese Forderung sauer und wollen nicht vereinnahmt werden.“

Große Unruhe in den Zuschauerreihen: Heute hau’n wir auf die Pauke, mag sich da so mancher und manche gerade denken und quittiert Haferburgs Erklärungen mit bissigem Gelächter und bitterem Kommentar. Eigentlich ist das im Parlament nicht gestattet, aber Schlagerfreund und Ausschusschef Dachner lässt mal gewähren – ein bisschen Spaß muss sein. 

So wie er bedauert auch Linken-Abgeordnete Barbara Borchardt, dass die BI selbst nicht angehört wird. Eine knappe Mehrheit im Ausschuss hatte sich dagegen ausgesprochen, weil die Argumente der Radio-Rebellen ausreichend bekannt seien. „Den Schlager zu streichen, ist eine Todsünde für viele“, findet Dachner und greift noch ein weiteres Argument der BI auf: „Niemand in meiner Altersgruppe hat die Möglichkeit, den Sender umzustellen.“ Der 65-Jährige spielt damit auf den modernen, digitalen Empfang an, der die Generation seiner Meinung nach wohl vor Schwierigkeiten stellt. Selbst den ehemaligen Chef der Polizeidirektion Neubrandenburg Manfred Dachner.