Samstag, 13. Juni 2015

NK | Die alte Disko-Hölle wird platt gemacht

Von Thomas Beigang
Jetzt soll es soweit sein. Alles, was aus dem Weg geräumt werden darf rings um den Alten Schlachthof, ist abgerissen. Jetzt soll in die Hände gespuckt werden, damit schon im nächsten Frühjahr die ersten Wohnungen fertig sind.

NEUBRANDENBURG. Karl Brocks freut sich wie ein Schneekönig. Für den Mann vom Niederrhein, der Neubrandenburg als seine zweite Heimat betrachtet, scheint ein Traum wahr zu werden. Rings um das ehemalige Musiktheater „Alter Schlachthof“ haben die Abrissbagger ganze Arbeit geleistet. Der Weg ist frei. Hier, auf dem Areal in Neubrandenburgs Westen ist Platz geschaffen worden für eine millionenschwere Investition. Karl Brocks will 15 Grundstücke für Häuslebauer an den Mann und die Frau bringen, 26 Eigentumswohnungen in zweieinhalbgeschossigen Häusern verkaufen und zusätzlich, als besonderen Clou, 16 bis 18 sogenannte Loftwohnungen in dem unter Denkmalschutz stehenden Schlachthof schaffen.

Zur Erinnerung: Seit 1994 sind Brocks und die Immobilie eng miteinander verflochten. Vor 21 Jahren machte der Geschäftsmann hier die seinerzeit am meisten angesagte Diskothek in Neubrandenburg auf. „3800 Gäste an einem Wochenende waren keine Seltenheit“, schwärmt er heute von den alten Zeiten. Aus dem ganzen Osten des Landes schwärmten Diskogänger in den Laden. „Wir haben aber leider das Parkplatzproblem nie in den Griff gekriegt“, bedauert Brocks. Nicht nur das: Vor einigen Jahren machte eine Bürgerinitiative aus dem Viertel gegen die Diskothek mobil. Sie zog bis vor das Verwaltungsgericht Greifswald, um gegen die Lärmbelästigung durch die Diskothek sowie die anund abreisenden Besucher zu klagen. Ergebnis: Brocks machte den Laden dicht.

Und dann hatte, so der ehemalige Diskothekenbesitzer, Neubrandenburs Ex-Oberbürgermeister Paul Krüger (CDU) eine glänzende Idee. Man könne doch, so soll der ehemalige Rathaus-Chef angeregt haben, hier an dieser Stelle Wohnungen bauen. Brocks suchte sofort nach Investoren, die das Projekt umsetzen, entschied sich dann aber im vergangenen Jahr, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Die benachbarte Brachfläche an der Ecke Bachstraße/Brinkstraße hat er von der Stadt gekauft, sein Bauantrag sei bereits wohlwollend entgegen genommen worden, sagt er.

Ende Juni soll der Startschuss für die 26 barrierearmen Eigentumswohnungen erfolgen, im Oktober soll der denkmalgeschützte Schlachthof mit Sandstrahlern behandelt werden. Im Mai nächsten Jahres könnten, verläuft alles nach Plan, die ersten Eigentümer in ihre Wohnungen einziehen. Glaubt man dem Unternehmer, dann gehen Grundstücke und Quartiere weg wie warme Semmeln. Zum ersten Mal in seinem Leben, so der gelernte Kaufmann, befinde er sich in der Situation, der großen Nachfrage nicht gerecht werden zu können. Und sobald die ersten neuen Eigentümer Besitz von ihren vier Wänden genommen haben, sollen noch zwei Häuser mit je 25 Wohnungen mit jeweils 50 Quadratmeter Größe hochgezogen werden. Die Flächen der alten Brauerei mit dem Wirtshaus „Wallensteinkeller“, die Geothermie, der Supermarkt und das Fitnessstudio sind von den Plänen nicht betroffen.

Brocks, der außer im Diskothekengeschäft sein Geld früher schon mit Immobilien und in der Landwirtschaft verdiente, genoss trotz allen Ärgers mit der Nachbarschaft früher als Schlachthof-Inhaber großes Ansehen bei der hiesigen Polizei, deren Präventionsveranstaltungen er mit allerlei Spendenaktionen unterstützte. Schon im Jahr 2007 ehrte der Leiter der vormaligen Polizeidirektion Neubrandenburg, Manfred Dachner, den 63-Jährigen für dessen jahrelange Unterstützung.

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