Donnerstag, 18. Juni 2015

NK | Heiliger Bimbam! Papst a.D. empfängt Neubrandenburger

Der mittlerweile eremitierte Papst Benedikt XVI., wie er vor zehn Jahren beim Weltjugendtag
in Köln eine Messe zelebrierte: Jetzt haben fünf Neubrandenburger die Ehre, eine Audienz bei
ihm gewährt zu bekommen. FOTO: PIER PAOLO CITO
Von Thomas Beigang
Das gab es noch nie. Fünf Männern aus der Viertorestadt wurde eine Privataudienz bei Benedikt XVI. gewährt. „Schuld“ daran sind ein Brief und der Freund eines Neubrandenburgers im Vatikan. Jetzt ist die Aufregung riesengroß.

NEUBRANDENBURG. Wer sind in diesen Tagen die am meisten aufgeregten Männer in Neubrandenburg? Fragt man den Landtagsabgeordneten Manfred Dachner, den Ex-Oberbürgermeister Paul Krüger, den Bauunternehmer Owe Gluth, den Gastronomen Nicola D‘Aniello und den katholischen Pfarrer Felix Evers, fällt denen die Antwort ganz bestimmt leicht: Nämlich sie selber. Diese fünf Erwählten bereiten sich gerade auf eine große Begegnung vor. Niemand geringeres als der zurückgetretene Papst Benedikt XVI. empfängt am kommenden Donnerstag die Neubrandenburger zu einer Privataudienz. Von 12.30 bis 13 Uhr dürfen die Rom-Reisenden das emeritierte Oberhaupt der katholischen Christenheit sehen und sprechen.

„Ein unbeschreibliches Gefühl, jetzt schon“, gewährt Manfred Dachner einen Einblick in sein Seelenleben. Eine ganz besondere Ehre sei das, schon jetzt, wenn er wieder darüber spreche, bekomme er Gänsehaut, so der Ex-Polizeichef, der sonst eher zur Nüchternheit tendiert. Jetzt will er sich auf dieses Ereignis „tief einlassen, um zur inneren Besinnlichkeit zu finden.“ Einer der anderen Pilger, Nicola D‘Aniello, ist noch euphorischer: „Die schönste Sache der Welt, dem Mann zu begegnen.“ Dabei begegnet der italienische Neubrandenburger nicht zum ersten Mal einem Papst: „Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. und den aktuellen Papst Franziskus habe ich schon gesehen. Aber beide nur aus der Ferne auf dem Petersplatz in Rom.“ Was er im Privatgespräch Benedikt sagen will? „Das weiß ich noch nicht, Aber ich hoffe auf eine Erleuchtung.“

Die Mitglieder des Dreikönigsvereins haben die Einladung in den Vatikan einem Brief ihres Vorsitzenden Rainer Prachtl zu verdanken, der um eine Audienz bat. Aber – wer weiß, ob jenes Schreiben die gebührende Aufmerksamkeit bei den Mitarbeitern von Joseph Ratzinger, so hieß Benedikt vor seiner Papstwahl im Jahr 2005, erregt hätte, wenn nicht der umtriebige Nicola D’Aniello einen Freund im Vatikan hätte. „Der ist dort Priester und hat den Brief persönlich abgegeben. Vielleicht war das von Vorteil.“ Die fünf Neubrandenburger reisen auch nicht mit leeren Händen nach Rom. Als Gastgeschenk packen die Pilger eine wertvolle Grafik von Ernst Barlach ins Gepäck. Und zwei Briefe. Einen vom Neubrandenburger Oberbürgermeister Silvio Witt, den anderen von Landrat Heiko Kärger. Über die Inhalte schweigen allerdings beide. Silvio Witt will nicht verraten, was in dem „persönlichen Schreiben“ steht. Und bei Landrat Kärgers Mitarbeitern heißt es schlicht, man wisse noch nicht, was man Benedikt schreiben wolle. Aber mehr als ein freundlicher Gruß und die besten Wünsche für das Wohlergehen des 88-jährigen Mannes werde der Brief wohl nicht enthalten.

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