Dienstag, 25. August 2015

Neubrandenburger Zeitung: Diese Probleme brennen den Brandhelfern auf den Nägeln

Von Bärbel Gudat
Freiwillige Feuerwehren sind 24 Stunden und das ganze Jahr in Rufbereitschaft – und das alles im Ehrenamt. Jetzt wird über ein neues Brandschutzgesetz im Land diskutiert. Und die Kameraden wollen mitreden.

Die Funktechnik bei der Feuerwehr wird erklärt: Manfred Dachner (r.) ist ein aufmerksamer Zuhörer. FOTO: BÄRBEL GUDAT
NEUENDORF. Stellen Sie sich vor, es brennt in in Riepke, in Hohenstein, in Burg Stargard oder Friedland. Und Sie müssten auf die Neubrandenburger Berufsfeuerwehr warten. Das Gleiche gilt bei Verkehrsunfällen oder wenn der Sturm mal wieder Straßenbäume gefällt hat. Undenkbar? Schließlich gibt es doch überall die Freiwilligen Wehren, die immer zur Stelle sind bei Bränden oder bei technischen Hilfeleistungen. Stimmt. Sie sind an 365 Tagen im Jahr und meist auch rund um die Uhr in Bereitschaft. Ehrenamtlich. Doch was passiert, wenn diesen Helfern die Helfer ausgehen?

Dann sei es schlecht um das Gemeinwesen bestellt, ist sich der SPD-Landtagsabgeordnete Manfred Dachner sicher. „Wir müssen jede kleine Wehr erhalten“, stimmt ihm Kreiswehrführer Norbert Rieger zu. „Und wenn es nur vier Mann sind, sie können bei Einsätzen wie beim Brand kürzlich in Helpt den anderen Einsatzkräften sagen, wie am besten gelöscht werden kann.“

Die geplante Veränderung des Brandschutzgesetzes in Mecklenburg-Vorpommern hat Manfred Dachner nach Neuendorf zum Kreisfeuerwehrwehrverband geführt. Er wollte von den Fachleuten wissen, wie die Politik helfen kann, die Einsatzbereitschaft der Freiwilligen Wehren aufrecht zu halten.

Vor vier Jahren wurde aus vier Kreisverbänden ein großer, erinnert sich Norbert Rieger. Damals hatte man sich entschieden, „die besten Arbeitsweisen“ in einem Verband zusammen zu bringen, ergänzt er. Aber es habe gedauert, denn jeder sagte, seine Arbeitsweise sei die beste. Jetzt sei man „auf einem guten Weg“. So beteiligten sich nach drei Jahren endlich auch Jugendwehren aus dem gesamten Neukreis am Ferienlager des Verbandes in Neuendorf. 370 Kinder verbrachten hier jeweils eine Woche bei Spaß, Spiel und Sport. Der Verband biete Feuerwehr-Kindern auch Nachhilfe an. Man sei bemüht, junge Feuerwehrmänner und -frauen im Landkreis zu halten. Aktive Mitglieder von Jugendwehren könnte man bei der Suche nach Lehrstellen in der Region unterstützen. Schon beginnend mit der Bewerbung.

Ralf-Reiner Herrmann, aktiver Feuerwehrmann, bietet in einem Neubrandenburger Autohaus ein Bewerbertraining an. Solche Möglichkeiten sollten intensiviert werden, das wünschen sich die Verantwortlichen von der Feuerwehr. Zum Beispiel durch die Zusammenarbeit mit Handwerksbetrieben. Im vergangenen Jahr waren es Mehr als 270 Kinder und Jugendliche, die bei den Jugendwehren im Land ausgestiegen sind. Wer sich ehrenamtlich engagiert, sollte auch davon etwas haben. Zurzeit dürfen Jugendliche einen Feuerwehrführerschein für Siebentonner machen. Das heißt, sie dürfen diese Fahrzeuge während eines Einsatzes fahren. Wäre es nicht reizvoll, wenn die jungen Leute über die Feuerwehr zum Beispiel einen Mopedschein erwerben könnten, hieß es.

Finanzielle Zuwendungen und auch mehr Rente? 
Ein wichtiger Punkt in der Diskussion um das neue Brandschutzgesetz ist die Bedarfsplanung. Wer hat wie viele Einsatzkräfte, welche Fahrzeuge, und wo stehen zum Beispiel Drehleitern. „Die ersten Ingenieurbüros stehen schon bereit“, weiß Norbert Rieger. Sie bieten Gemeinden an, die Planungen zu übernehmen. Es gebe aber noch keine Vorgaben. Für ihn und seine Kollegen sollte der Landkreis die rechtliche und fachliche Prüfpflicht haben. „Im Moment macht jeder sein Ding und so wie er denkt, was richtig ist.“

Schon bei den Leitstellen gebe es in Mecklenburg-Vorpommern kein einheitliches System. Abstimmungen über Kreisgrenze hinweg müssen immer noch per Telefon erfolgen. Aber manchmal sei eben eine Wehr aus dem anderen Kreis viel dichter am Brandgeschehen als die Kameraden aus dem Amtsbereich. Vor allem in kleinen Wehren ist die Tageseinsatzbereitschaft nicht gewährleistet. Nicht jeder Arbeitgeber hat Verständnis, wenn bei einem Einsatz sein Beschäftigter plötzlich weg muss. Da helfen auch keine Entschädigungen.

Für die Kameraden fehle auch oft der Anreiz, ist Mathias Kunicke, selbst Wehrleiter, überzeugt. Er bekomme eine Entschädigung, die Kameraden nicht. Er plädiere für kleine Zuwendungen, die zum Beispiel nicht auf Hartz IV angerechnet werden, vielleicht auch Punkte für die Altersrente. Es gebe Gemeinden, die zahlen fünf Euro für den Einsatz an ihre Feuerwehrmänner, weiß Andreas Kocik, Wehrleiter aus Waren. Doch was bleibt übrig, wenn mit dem privaten Pkw zum Gerätehaus gefahren werden muss? Außerdem müsse die Einsatzkleidung gewaschen werden. Solche Zuwendungen hätten moralische Wirkung und wären eine Wertschätzung fürs Ehrenamt.

Kontakt zur Autorin b.gudat@nordkurier.de