Donnerstag, 10. September 2015

Haff-Zeitung: Horror-Prüfung: Fehler im System?

Von Simone Weirauch

Alle durchgerasselt! Noch immer herrscht Kopfschütteln darüber, wie es passieren konnte, dass wirklich alle Prüflinge vom Torgelower BFZ durch die Erzieherprüfung rasselten. Eines steht aber fest: An den Prüflingen lag es nicht.

Das Land braucht immer noch Erzieher für die Kitas. Doch was politisch gewollt ist, nämlich Seiteneinsteiger zu qualifizieren, das hat sich in der praktischen Umsetzung als schwierig erwiesen. Das Prüfungs-Desaster bei Torgelower BFZ-Umschülern ist immer noch nicht restlos aufgeklärt. 
FOTO: DANIEL REINHARDT/DPA
TORGELOW. Das Torgelower BFZ als Sündenbock? Dieses Fazit aus der ersten Beratung des Petitionsausschusses in Schwerin will der Ausschussvorsitzende Manfred Dachner (SPD) so nicht stehen lassen. 

Torgelower Absolventen eines BFZ-Lehrgangs für Erzieher, die bei den Prüfungen an der staatlichen Berufsschule Stralsund ihrer Meinung nach unfair behandelt und ausgebremst wurden, hatten sich an den Petitionsausschuss des Landtages gewandt. Das Gremium beschäftigte sich daraufhin im Juni mit dem Modell der externen Erzieherausbildung durch private Bildungsträger. Vertreter von Bildungsministerium, Schulamt und Berufsschule Stralsund haben ihre Argumente dargelegt. Fazit: Die Erzieherausbildung soll künftig unter staatlicher Kontrolle bleiben. Auch, wenn Seiteneinsteiger qualifiziert werden. Nur so könne eine gleichbleibende Qualität der Ausbildung gewährleistet werden. 

Doch damit sind die Vorwürfe der Torgelower Lehrgangsabsolventen lange nicht aufgeklärt. Das bestätigte Manfred Dachner gegenüber unserer Zeitung. Und keineswegs sei es so, dass das BFZ die externen Erzieher-Schüler nicht gut genug auf die Prüfungen vorbereitet habe. Mittlerweile haben die meisten Absolventen ihren Abschluss als staatlich anerkannter Erzieher in der Tasche. An der schlechten Vorbereitung kann es also nicht gelegen haben, sagt Dachner. 

Überhaupt hielte er es für unangebracht, jetzt mit dem Finger auf einen Schuldigen zu zeigen. Dachner, der bereits in einer ersten Krisenrunde zu diesem Thema vor zwei Jahren mit am Tisch saß, kennt die Problematik im Detail. „Das eigentliche Dilemma begann, als die Berufsschule Stralsund für die externen Prüfungen zuständig wurde.“ Die Schule war ganz offensichtlich überfordert mit dieser Aufgabe. „Die hatten Frust, weil die Kapazitäten für die Prüfungen der Externen gar nicht ausreichten.“ Das ging dann einseitig zu Lasten der Prüflinge aus Torgelow, schätzt Dachner ein. 

Wenn der Petitionsausschuss dieses Thema demnächst erneut anpackt, dann wird es auch um die Verantwortung der Bundesagentur für Arbeit gehen. Die Behörde habe die Erzieherausbildung an einen privaten Bildungsträger vergeben und somit auch die Aufsicht über die Qualität der Umschulung und über die Zusammenarbeit zwischen dem Bildungsträger und der Berufsschule. „Das war der Kardinalsfehler in dieser Angelegenheit“, bringt es Dachner auf den Punkt. Die Behörde hätte nicht nur die Zertifizierung der Bildungsmaßnahme, sondern auch die gesamte Umsetzung kontrollieren müssen. 

Sobald dem Petitionsausschuss die aktuellen Prüfungsergebnisse der so genannten Nichtschülerprüfungen vorliegen, wird er sich nochmals mit diesem Thema beschäftigen. Die Ergebnisse werden Ende September erwartet.