Montag, 23. November 2015

Heute im Nordkurier | Der mühsame Weg zurück auf die Ostmärkte

Wenn die Betriebe in den drei Nord-Bezirken vor 1989 exportiert haben, dann in der Regel in die sozialistischen Bruderstaaten. Mit der DDR verschwanden aber auch diese guten Kontakte. Die Wiedereroberung ist mehr als schwierig.

[...] Uwe Lüdemann, Chef der Energieanlagen Nord (EAN) in Neubrandenburg, weiß, wie schwierig Geschäftsanbahnungen in Osteuropa sind. EAN ist bislang fast ausschließlich auf dem deutschen Markt tätig. Das Unternehmen hat Heizungs- und Kältetechnik für den Bundestag, den Hauptbahnhof Berlin oder aber den Airport Hamburg entwickelt und eingebaut. Jetzt will sich Lüdemann vielleicht auch auf ein Rumänien-Geschäft einlassen. Kürzlich nahm er an einer Wirtschaftsreise teil.

Der Neubrandenburger Landtagsabgeordnete Manfred Dachner (SPD) engagiert sich seit Jahren für die Kooperation mit Rumänien. Begleitet wurden die beiden von Heiko Kärger (CDU), Landrat der Mecklenburgischen Seenplatte. Das Ziel: Unternehmen für ein Engagement in Rumänien zu gewinnen. [...]

Bei einzelnen Branchen sieht IHK trotz allem gute Chancen zur Markterweiterung 
Insbesondere was die Energieversorgung betrifft, das Fachgebiet von EAN, gebe es aber noch systematische Probleme, sagt Lüdemann. So wäre es kein Problem für seine Firma, eine moderne Heizungsanlage in Rumänien zu bauen. „Dahinter gebe es allerdings kein Unternehmen, das die Energie verteilt und vertreibt“, sagt Lüdemann. Trotzdem habe es ein Gespräch mit einem rumänischen Unternehmen gegeben, mit dem man eventuell ins Geschäft kommen könne. Allerdings würden die Rumänen von deutschen Firmen erst einmal erwarten, Geld mitzubringen. „Wir sind aber kein Förderinstitut“, sagt Lüdemann.

Auch der IHK-Außenhandelsexperte Karsten Selke bestätigt, dass es nach dem Zusammenbruch der Märkte im Osten schwierig sei, in Ländern wie Rumänien, der Slowakei oder Bulgarien wieder Fuß zu fassen. [...] Was das weitere Engagement in Rumänien betrifft, will die IHK Kontakt mit der Botschaft aufnehmen. Gemeinsam soll geprüft werden, „mit welchen Branchen es sich lohnt, den Markt anzugehen“, so Selke. Zentren wie Hermannstadt, heute Sibiu, in Siebenbürgen oder aber die Region um die Hauptstadt Bukarest seien in der Regel allerdings schon gut besetzt durch Firmen aus Bayern, sagt der Rumänien-Experte Professor Heinrich Schnatmann, Dozent an der Technischen Universität Cluj-Napoca.

EAN-Chef Lüdemann wartet jetzt auf Post. Der Unternehmer aus Rumänien, mit dem er ins Gespräch kam, will ihm ein Kooperationsangebot machen. Käme es zu einem gemeinsamen Projekt, könne man vielleicht auch mal über eine Niederlassung in Rumänien nachdenken. „Irgendwann“, sagt Lüdemann.

Kontakt zum Autor: f.wilhelm@nordkurier.de