Donnerstag, 28. Januar 2016

Staatsdoping in der DDR wird historisch aufgearbeitet

Eigentlich hätten die GRÜNEN zufrieden sein können: Ihr DDR-Dopingantrag wurde im Ausschuss mit einer Anhörung ausführlich beraten und brachte eine weitreichende Entschließung hervor. Doch weil sich nicht alle Forderungen des eigenen Antrages 1:1 wiederfanden, gab es für die GRÜNEN - zumindest öffentlich - keine Happy-End. In der Sache dürfte aber in Sachen Dopingaufarbeitung und Prävention mehr erreicht sein, als ursprünglich erwartet.

Mit Ihrem Antrag „Doping und Zwangsdoping in den drei Nordbezirken der DDR historisch aufarbeiten“ (Drs. 6/3908) hat die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN die Landesregierung erneut aufgefordert festzustellen, dass der Dopingeinsatz und das System des Zwangsdopings in den drei Nordbezirken der DDR auch 25 Jahre nach der friedlichen Revolution nahezu unerforscht seien und entsprechende Maßnahmen vorgeschlagen, u. a. ein auf fünf Jahre befristetes Forschungsprojekt inkl. Publikation und Wanderausstellung, thematische Fortbildungsangebote für Lehrer sowie Unterstützung bei der historischen Aufarbeitung in Einrichtungen mit Bezügen zum DDR-Leistungssport.

Der Antrag aus dem Jahr 2015, der damals überwiesen wurde, hatte im Innenausschuss des Landtages bereits zu einer breiten Debatte inkl. Anhörung von Sachverständigen geführt. Dort wurde der Ursprungsantrag der GRÜNEN von SPD, CDU und DIE LINKE zwar abgelehnt, aber durch eine Entschließung ersetzt, die u.a. ein eigenständiges Anti-Doping-Gesetz auf Bundesebene begrüßt, für den Landeshaushalt 2016 und 2017 zusammen 150.000 Euro für die Förderung von Promotionen zum Themenbereich „Aufarbeitung von Doping im DDR-Sport der drei Nordbezirke“ zur Verfügung stellt und einen 10-Mio. €-Hilfsfonds auf Bundesebene unterstützt.
Zudem soll die Stasiunterlagenbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern als Anlaufstelle für betroffene ehemalige Sportlerinnen und Sportler wahrgenommen und die Sensibilisierung von aktiven Sportlerinnen und Sportler sowie ihrer Verbände für das Thema Doping und dessen Gefahren vorangetrieben werden.