Mittwoch, 20. April 2016

Nordkurier | Jährlicher Blitz-Marathon der Polizei in der Kritik

NEUBRANDENBURG. Der Ex-Polizeiführer Manfred Dachner hat die jährlichen Schwerpunkt-Kontrollen der Polizei kritisiert. Nachdem das Innenministerium Anfang der Woche angekündigt hatte, dass sich die Polizei in MV aufgrund von Überlastung in diesem Jahr nicht am morgigen Blitz-Marathon beteiligen werde, bemängelte der SPD-Landtagsabgeordnete, dass deutschlandweite Geschwindigkeitskontrollen ohnehin „nur eine Machtdemonstration der Innenministerien“ gewesen seien.

Polizeiarbeit sei aber eine Dienstleistung und müsse dann erbracht werden, wenn sie benötigt werden. „Nicht, wenn es den Ministerien gerade zeitlich passt“, erklärte Dachner, der 1991 bis 2010 selbst Chef der Polizeidirektion Neubrandenburg war. Auch wenn der Blitz-Marathon die Entschlossenheit der Ministerien demonstrieren sollte, seien die Raser in der Regel nicht gestoppt worden. „Deshalb verpuffte der Blitz-Marathon wie ein Sturm im Wasserglas.“

Dies belegt auch die Statistik der massiven Kontrollen, bei denen die Messstellen vorher bekannt gegeben werden. Sind bei normalen Geschwindigkeitskontrollen im Schnitt elf Prozent der Kontrollierten zu schnell unterwegs, lag die Raser-Quote bei den Blitz- Marathons lediglich zwischen drei und vier Prozent.

Dachners Resümee: „Alle polizeilichen Großkontrollen und Einsätze erfordern viel zu viel planerischen und logistischen Vorlauf. Insbesondere die großen Verkehrskontrollen sind zu statisch, starr und unflexibel.“ Er rät dem aktuellen Polizeichef des Landes, Innenminister Lorenz Caffier (CDU), öfter den Rat der Praktiker in den Revieren und Inspektionen zu suchen: „Dann würde man Überstunden sparen, den Krankenstand senken und Polizeibeamte glücklich machen.“