Mittwoch, 13. April 2016

Nordkurier | Tolle Landschaft: Und was bietet die Seenplatte noch?

Foto: J. Radloff

Von Anett Seidel

Wenn die kleine Schwester Neustrelitz die große Schwester Neubrandenburg zu Gast hat, kommen noch viele weitere Geschwister aus dem gesamten Landkreis hinzu. Bei einem „Familientreffen“ wurde jetzt beratschlagt, was in Sachen Tourismus gemeinsam noch besser geht. Das Fazit: Eine Menge.

NEUSTRELITZ. Zugegeben, die Fahrradverbindung von Neustrelitz nach Neubrandenburg ist nicht die beste. Ein durchgehender Weg fehlt. Bisher, das muss auch zugegeben werden, haben die beiden Schwesterstädte zudem in Sachen Tourismus lieber jede ihr Ding gemacht. Die Zeiten sollen vorbei sein. Bei einem „Familientreffen“ in Neustrelitz trafen nicht nur der Neustrelitzer und der Neubrandenburger Bürgermeister zusammen, sondern auch Gastronomen, Unternehmer, weitere Bürgermeister aus Gemeinden und kleineren Städten und der Tourismusverband.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Butzki hatte zu diesem Treffen geladen, dass es in dieser Form wohl noch nicht gegeben hat. „Die Mecklenburgische Seenplatte“, so betonte Neubrandenburgs Oberbürgermeister Silvio Witt, „verbindet jeder mit Seen, Ruhe, Sonnenuntergängen und Natur. “ Wer sich danach nach urbanem Flair sehnt , sei in der Kreisstadt richtig. Dabei könne Neubrandenburg zwar nicht mit so viel historischer Substanz wie die kleine Schwester punkten.

Aber Witt zählte eine Menge Kulturangebote auf, die die Viertorestadt allein in den nächsten Wochen zu bieten hat. Andreas Grund, Bürgermeister aus Neustrelitz, sieht seine Stadt als Scharnier innerhalb der Nationalparkteile, aber auch zwischen den von Witt angesprochenen urbanen Angeboten. Keine Zweifel gebe es, dass es längst an der Zeit sei, enger zusammenzuarbeiten. Es mangelt an Infrastruktur, der fehlende durchgängige Radweg zwischen Neubrandenburg und Neustrelitz sei nur ein Beispiel. „Der Zierker See ist seit vielen Jahren immer noch Sanierungsfall“, führte der Neustrelitzer an. Um dann noch die vielen kleinen Partner in den Gemeinden der Region mit ins Boot zu holen, müssen künftig viele Aufgaben gelöst werden. Mecklenburg- Vorpommern strebt Übernachtungszahlen von 30 Millionen an, machte Sylvia Bretschneider, Vorsitzende des Landestourismusverbandes, deutlich. Auch die Kleinseenplatte möchte davon ein Stück abhaben, waren sich die Parteien einig.

Frank Fechner, stellvertretender Vorsitzender des Tourismusverbandes Mecklenburgische Seenplatte, will das Engagement deshalb nicht an Kreisgrenzen festmachen. Vom Brandenburgischen Rheinsberg im Süden bis zum Landkreis Rostock im Norden soll das gemeinsam zu vermarktende Revier, das ohnehin im Raumordnungsprogramm als Tourismusregion ausgewiesen ist, gesteckt werden. Auf die Müritzregion blickt man in der Kleinseenplatte ebenfalls. „Ich kann viel machen, aber nicht überall alles“, fasste Fechner zusammen.

Gemeinsamkeiten müssten keineswegs lange gesucht werden. Fechner führte die Kirchen an, die in der Besuchergunst in der Vergangenheit zugelegt haben: Schloss- und Stadtkirche in Neustrelitz. Konzertkirche in Neubrandenburg. „Die Besonderheit in der Kleinseenplatte ist die Dichte an Campingplätzen.“ Von Platz zu Platz können sich Wasserwanderer fortbewegen – egal, ob in Mirow, Wesenberg oder in der Feldberger Seenplatte. Neubrandenburg und Neustrelitz müssen ihre Chance in der Gewinnung von Tagesgästen sehen. Pilgerweg, Mecklenburgischen Seenrunde, Kirchen, Theater, Ansommern – „eigentlich machen wir doch schon eine Menge“, schätzte Frank Fechner ein. Dennoch gibt es gemeinsames Potenzial, dass herausgekitzelt werden muss, fasste Silvio Witt zusammen. Bei der Infrastruktur, angefangen bei genügend Toiletten bis hin zum schnellen Internet, gebe es noch Mängel. Am Ende waren sich alle einig: Dem ersten Treffen soll nun ein zweites in Neubrandenburg folgen.